Klein Kussewitz – Geschichte, Gegenwart und Gemeinschaft eines besonderen Ortes
Eingebettet in die sanfte Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns liegt das Dorf Klein Kussewitz, heute ein Ortsteil der Gemeinde Bentwisch im Amt Rostocker Heide. Obwohl nur wenige Kilometer östlich von Rostock gelegen, erzählt das Dorf eine tief verwurzelte Geschichte, die vom slawischen Ursprung bis zur heutigen Blüte als Kultur- und Rückzugsort reicht.
Von Slawen, Adel und Bauern
Die erste urkundliche Erwähnung von Klein Kussewitz stammt aus dem Jahr 1257. Historiker vermuten, dass bereits zuvor eine slawische Siedlung bestand. Die Region war Teil des historischen Amts Carbäk und stand in enger Verbindung zur Hansestadt Rostock.
Im Jahr 1704 wurde das Gutshaus erstmals dokumentiert und befand sich zu dieser Zeit im Besitz des mecklenburgischen Adelsgeschlechts von Bülow. Später ging es in den Besitz des Rostocker Arztes Dr. Spalding über, der bis 1781 herrschte. In dieser Zeit waren harte Frondienste für die Bauern Alltag. Um 1803 entstand ein neues Gutshaus unter Ernst Christian Frehse, das Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem neogotischen Herrensitz umgebaut wurde.
1868 übernahm die Familie Schomann das Anwesen. Ab 1908 modernisierte der neue Besitzer Julius Kulenkampff das Gutshaus umfassend: Warmwasser, moderne Sanitäranlagen und technische Raffinessen hielten Einzug, sogar für das Gesinde.
Kriegszeit und DDR-Umnutzung
Nach dem Zweiten Weltkrieg endete das Kapitel der privaten Gutsbesitzer. Das Haus wurde kommunales Eigentum und wandelte sich zum Zentrum dörflichen Lebens. In der DDR-Zeit diente es als Flüchtlingsunterkunft, Konsumladen, Arztpraxis, Gemeindebüro und sogar als Disco. Trotz teils trostloser Nutzung blieb das „Schlösschen“ ein identitätsstiftender Ort für die Menschen.
Nach der Wende stand das Haus lange leer, bis es 2002 verkauft und saniert wurde.
Ein neuer Glanz ab 2019
Seit 2019 führen Eylem Kadem (geb. Kampf) und Karl Matthes das Gutshaus als Boutique-Hotel mit Charme. Sechs Apartments, Kamin- und Musikzimmer, Salon, Bibliothek, Ballsaal, Sauna und ein weitläufiger Landschaftspark laden zur Entschleunigung ein. Die Einrichtung kombiniert antike Möbel mit Designklassikern und persönlichem Stil.
Parallel dazu betreibt Karl Matthes eine Biolandwirtschaft mit rund 1.000 Rindern und 23.000 Hühnern – deren Eier auch beim Frühstück im Gutshaus serviert werden. So trifft ländliche Tradition auf moderne Nachhaltigkeit.
Dorfleben heute
Seit der Eingemeindung zum 1. Januar 2018 gehört Klein Kussewitz zu Bentwisch. Auf einer Fläche von 14,45 km² leben rund 750 Einwohner (Stand 2015).
Die Kita „Hasenburg“ bietet liebevolle Betreuung für die Kleinsten. Sportlich Aktive finden im FSV Bentwisch ein breites Angebot. Seniorengruppen, Bastel- und Tanzangebote, das Gemeindezentrum Börgerhus sowie ein aktives Feuerwehrleben halten die Dorfgemeinschaft lebendig.
Jährliche Dorffeste mit Kinderprogramm, Musik und Kulinarik stärken das Wir-Gefühl. Seit 2013 ist der Ort zudem mit schnellem Internet erschlossen und bestens an Rostock angebunden.
Baukultur und Denkmäler
Das Herzstück ist das neogotische Gutshaus mit Park. Doch auch der denkmalgeschützte Silo von 1928, einst für Rübenzucker genutzt, wurde in den 2000ern zu einem Wohnhaus umgebaut. Weitere Speicher, Stallungen und Bauernhäuser zeugen vom landwirtschaftlichen Erbe.
In der Umgebung laden die Rostocker Heide, der Peezer Bach und Radwege zu Naturerlebnissen ein. In Nachbarorten wie Volkenshagen steht eine Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert.
Quellen:
Ein Ort mit Vergangenheit, Herz und Zukunft: Klein Kussewitz ist längst mehr als nur ein Dorf – es ist ein lebendiges Stück Heimat mit Weitblick.